Sonntag, 11. Dezember 2016

Das Beste aus allen Diäten

„Ich habe mich vorhin im Spiegel betrachtet. Ich habe mich noch nie so im Spiegel betrachtet. Ich habe in mein Gesicht gesehen. Ich war so voll Hass, voll Wut, voll Scham, voll Enttäuschung, Enttäuschung. ENTTÄUSCHUNG. Ich hätte mich anspucken können, ich hätte weinen können, ich hätte in den Spiegel schlagen können, mitten hinein die Faust in die Visage, die ich hasse, die ich liebe, die ich hasse. Ja, ich hasse sie. ICH HASSE SIE. Aber ich kann es mir nicht leisten. Der Spiegel kostet Geld, und meine Nerven kosten Geld. Und ich habe kein Geld. Ich habe keinen Beruf. Ich habe keinen Namen.“ (Karlheinz Deschner: Die Nacht steht um mein Haus)
Ich esse nach der Atkins-Diät jeden Tag ein großes Steak und Zwiebelmett. Fett- und proteinreich muss es sein. Außerdem sind Obst, Gemüse und Fisch erlaubt. Zur Schweinshaxe gibt es also einen Krautsalat.
Nach der Glyx-Diät darf ich Nudeln und Milchprodukte essen. Da gibt es zum Zwiebelrostbraten natürlich Spätzle und zum Nachtisch einen Eisbecher.
Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ empfiehlt Kartoffeln. Yes! Endlich kommen wir zum Thema Klöße, Pommes frites und Bratkartoffeln. Und Kartoffelchips.
Neulich habe ich gelesen, dass zwanzig Gramm Nüsse pro Tag gesund sind und jeder Tag ohne Nüsse im Prinzip ein tödliches Risiko ist. Ich mag Erdnüsse. Besteht Nutella nicht auch aus Nüssen?
Womit wir bei den süßen Sachen wären. Laut den Regeln der Trennkostdiät soll man morgens und abends Kohlenhydrate zu sich nehmen. Sag Hallo zu Kuchen, Honig, allen Brotsorten und allen Formen von Zucker. Mittags gibt es Eiweiß, also zum Beispiel ein schönes Cordon Bleu, das nochmal extra mit Käse überbacken wurde.
Nur das Thema Alkohol wird etwas stiefmütterlich behandelt – aber ich habe schließlich schon den ganzen Tag nach diversen Diäten gelebt. Prost!
Mein Tipp: Die Bonetti-Diät. Kaufen Sie nur Lebensmittel, in denen ein B vorkommt. Sei es im Produktnamen oder im Herstellernamen. Beispiel: alle Biersorten und Zitronensorbet, Nudeln aber nur von Barilla, Chips nur von Bahlsen usw. Versuchen Sie, in jedem Regal etwas mit B zu finden. Achtung: Keinesfalls mehr als sieben Mahlzeiten am Tag.
Michael Jackson - Don't Stop 'Til You Get Enough. https://www.youtube.com/watch?v=yURRmWtbTbo

Samstag, 10. Dezember 2016

Der zehnte Dezember

Wissen Sie noch, was Sie am 10.12.1977 getan haben? Oder am 10.12.1978? Oder am 10.12.1979? Nein.
Ich weiß, was ich an diesen Tagen gemacht habe. Ich schreibe. Der erste Tagebucheintrag datiert vom 6.9.1975, kurz nach meinem neunten Geburtstag.
10.12.1977: An diesem Samstag habe ich den ganzen Vormittag gespielt. Zum Mittagessen gab es Linsensuppe. Nachmittags war ich mit meinem Freund Jan bei der Weihnachtsfeier meines Fußballvereins (Spielvereinigung Ingelheim). Jeder bekam eine grüne Turnhose als Weihnachtsgeschenk und wir mussten uns einen Fußball-Lehrfilm anschauen. Um 23:45 Uhr ging ich ins Bett.
10.12.1978: Gemeinsam mit meinem Vater und meiner Schwester habe ich die Großeltern in Katzenelnbogen besucht. Es gab Rollbraten mit Kartoffeln zum Mittagessen. Ich habe viel ferngesehen und abends mit meinem Vater in Schweppenhausen Tischtennis gespielt. Um 22:25 Uhr ging ich ins Bett.
Ich bin ein schrecklicher Pedant. Daher weiß ich aus meinem Tagebuch auch, dass ich 1978 genau 61 x Buletten, 53 x Spaghetti mit Fleischsoße und 15 x Jägerschnitzel mit Pommes (letzteres im Gasthaus) gegessen habe. Meine damaligen Leibgerichte.
10.12.1979: Vormittags Schule, ich habe eine „2-“ in der Deutsch-Arbeit. Zum Mittagessen gab es Spaghetti mit Fleischsoße. Nachmittags war ich mit meiner Mutter und meiner Oma in der Stadt, am Abend mit meinem Vater und meiner Schwester im Schwimmbad. Um 22:15 ging ich ins Bett.
Zitat vom 21.12.1979: „Heute ist ein schöner Tag / Den ich sehr gern leiden mag / Aber wie so oft / Kommt ganz unverhofft / Wieder die große Scheiße / Und alles ist wieder das Gleiche.“
10.12.1980: Vormittags Schule, ich habe eine „1“ in der Sozialkunde-Arbeit (Klassenbester). Danach fuhr ich mit meiner Mutter und meiner Oma nach Mainz. Ich habe einen Hamburger mit Pommes bei McDonald’s gegessen. Dann kauften wir in einem Plattenladen mein Weihnachtsgeschenk von Oma: vier LPs (Pink Floyd, AC/DC, Scorpions und Rainbow). Abends war ich bei meinem Vater in Schweppenhausen. Im 0:25 ging ich ins Bett.
Ich habe 1980 übrigens genau 52 x Buletten, 46 x Spaghetti mit Fleischsoße und 16 x Jägerschnitzel mit Pommes (letzteres im Gasthaus) gegessen.
Zitat vom 24.9.1980: „Die Welt ist wie eine Zwiebel. Immer, wenn ich sie sehe, muß ich weinen.“
Meine Lieblingsgruppe ist in diesem Jahr Pink Floyd, Bob Marley ist mein Lieblingssänger und James Dean mein Lieblingsschauspieler. Literatur: Jules Verne ist die Nr. 1, aber das Lieblingsbuch ist „Das Tal der Abenteuer“ von Enid Blyton. Lieblingsfußballer ist Rainer Bonhof, meine Lieblingstiere sind der Tiger und das Kaninchen.
10.12.1981: Vormittags Schule. Zum Mittagessen gab es Linsensuppe. Hausaufgaben gemacht, gebastelt, Radio gehört, abends ferngesehen, und um 22:25 ging ich ins Bett.
Frühe Dichtung aus dem Tagebuch von 1981: „Rheuma, Pickel, Suff und Gicht / Schützen vor der Schule nicht.“

Commissario Bonettis 94. Fall

Bad Nauheim statt Venedig, Pralinski statt Donna Leon!
„Bonettismo o muerte.“ (Fidel Castros letzte Worte)
Eigentlich ging es damit los, dass er sich keine Texte merken konnte. Also schrieb man ihm seinen Text auf Pappkartons, die für den Zuschauer unsichtbar blieben. Aber es stellte sich heraus, dass er kurzsichtig war. Deswegen schrieb man seine Texte auf große Poster, die auf der Innenseite von Säulen platziert waren. Deswegen sieht man Bonetti immer nur hinter riesigen Säulen, wenn man seine Auftritte im Fernsehen betrachtet.
Hätten Sie’s gewusst? Ich mache im Juni eine Diät. Nur das Jahr steht noch nicht fest. Ein Lob der Prokrastination. Werden auch Sie Prokrasti-Nationlist!
Im Internet hast du immer das Feedback von den traurigen Gestalten, die mit ihrem eigenen Schreiben, Fotografieren usw. gescheitert sind. Es sind die Geister der Verstorbenen, die dir zurufen: Gib auf, lass es sein. Alles, was du machst, ist Dreck. Nur die Sterbenden folgen diesen Stimmen in den Abgrund. Wer wirklich lebt, hat keine Zeit für die schwarzen Seelen.
Jetzt neu: „Andy Bonetti – Inferno und Ekstase.“ Für 4,99 € als E-Book.
Trauriger Föhn 29 – das Passwort des Monats.
Bonetti Media & Roaring Competence – offizieller Literaturpartner des FC Bayern München.
Was macht eigentlich unser It-Boy Heinz Pralinski? Er hat gerade einen Essay mit dem Titel „Sie sächseln beim Sexeln – Ossis im großen Erotikvergleich“ in der „Praline“ veröffentlicht. Mit großzügigen Abbildungen von sekundären Geschlechtsmerkmalen!
Rätselhafte Welt der Sprichwörter: Was heißt es eigentlich, wenn man „Morgenluft twittert“?
Ich beantrage hiermit Namensrechte für: Keith Grube, Keith Bett und Keith Laster. Möglicherweise gibt es auch noch einen Film mit dem Titel „Eine Ladung Keith“.
Hätten Sie’s gewusst? Wenn Sie nach Japan ziehen, erhöhen Sie automatisch Ihre Lebenserwartung. Zumindest rein statistisch.
An Neapel mag ich besonders die Wäsche, die auf den Balkonen und vor den Häusern hängt. Als wäre in dieser Stadt der Wäschetrockner noch nicht erfunden worden. Wo sieht man in Deutschland noch die Wäsche anderer Menschen? In Neapel frage ich mich unwillkürlich, zu welchem Mensch die riesige graue Unterhose gehört oder das rote Kleid. Wer geblümte Bettwäsche hat oder ein Trikot des örtlichen Fußballvereins. Wenn man lange genug wartet, sieht man auch die Besitzer der Wäsche, die auf den Balkon kommen, um eine Zigarette zu rauchen oder in ein Mobiltelefon zu plärren. In Neapel ist der öffentliche Raum noch eine Bühne und keine Transitstrecke, die man hastig überwinden möchte.
Andy Bonetti markiert traditionell den Stand seines Verlags bei der Frankfurter Buchmesse mit einem satten Strahl Urin.
Die scheinbare Ordnung, die das Schreiben erzeugt, weil die Sätze eine Reihenfolge bilden, weil sie nacheinander stehen, nicht nebeneinander oder übereinander.
Mister Ed ist eine amerikanische Fernsehserie aus den sechziger Jahren, in der ein sprechendes Pferd die Hauptrolle spielt. Eigentlich bewegt das Pferd nur die Lippen und ein Schauspieler spricht. Das erinnert mich irgendwie an Politiker. Die Serie endete vor fünfzig Jahren, 1966, die Politik-Farce endet nie.
Das menschliche Gehirn wiegt etwa 1300 Gramm. Wieviel Gramm Vernunft enthält es?
In diesem Jahr war rund um meinen fünfzigsten Geburtstag das japanische Totenfest Obon. Warum übernehmen wir nicht mal solche Traditionen, anstatt nur die US-Feiertage wie Halloween, Valentinstag und den Star Wars-Tag am 4. Mai?
http://bento-daisuki.de/japan/feste-und-feiern/obon-ahnenfest-5211/
Gibson Brothers – Cuba. https://www.youtube.com/watch?v=PYND4zwDHvM

Freitag, 9. Dezember 2016

Von Deutschen lernen heißt siegen lernen

Was war das letzten Sonntag für eine Spannung. Wer wird der österreichische Bundespräsident? Die Kandidaten der großen Koalition in Wien waren schon in den Vorwahlen gescheitert, jetzt traten ein Grüner und ein Rechter gegeneinander an. Schon einmal hatte es in diesem Jahr eine Wahl zwischen den beiden gegeben. Hauchdünn war der Abstand. Dann die Sensation: die Wahl muss wiederholt werden. Dann ging auch die Wiederholung schief, weil die Wahlumschläge nicht richtig klebten und man dem Österreicher das Schließen der Umschläge mit Uhu oder Tesafilm nicht zumuten wollte. Ein ganz heißes Eisen, ganz großes Tennis. Die ganze Welt schaute zu, ja, die Welt hielt für einen Augenblick den Atem an. Würde der Triumphzug der Rechtspopulisten, der in Polen und Ungarn begann und der in diesem Jahr Großbritannien und die USSA erreicht hatte, in Österreich weitergehen?
Währenddessen wurde auch in Deutschland ein neuer Bundespräsident gewählt. Drei Deutsche trafen sich in einem Hinterzimmer: Merkel, Gabriel und Seehofer. Die Vertreter der großen Koalition in Berlin. Alle drei hoben die Hand und ein Beschluss wurde gefasst. Ein Minister der großen Koalition wurde zum Präsidenten gewählt. Der mit den weißen Haaren. Der sieht so seriös aus. Drei von achtzig Millionen Deutschen haben gewählt. Geräuschlos. Effizient. So funktioniert die deutsche Demokratie. The German Blitz. Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Land!

Operation Bakunin

Sehr geehrter Herr … (geschwärzt),
wie gewohnt erhalten Sie zum Jahresende einen Bericht über den Stand der Operation Bakunin unserer Abteilung „Steuerung und Verwaltung linksextremer Aktivitäten“ des Bundesnachrichtendienstes.
Wir haben an diversen Schwerpunkten (Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig, Gelsenkirchen und Hannover) Organisationseinheiten gebildet, die mit großem Erfolg etwa fünftausend Personen binden, die linksextreme bzw. linksradikale Positionen vertreten und bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie mittelfristig Gewalt anwenden werden. Die Schlüsselpositionen der Organisationseinheiten werden durch von uns geschulte und finanzierte Multiplikatoren (im Volksmund auch „V-Leute“ genannt) besetzt, so dass die Leitung der Einheiten vollständig in unserer Hand ist.
Unsere Multiplikatoren besetzen die Schaltstellen der linksradikalen Szene, weil sie zum einen „erfolgreich“ Geld und Waffen besorgen. Wir stellen diese Mittel zur Verfügung, sie bleiben aber unter der Kontrolle unserer Multiplikatoren und sind zum Teil fiktiv. Zum anderen, indem sie „erfolgreich“ Anschläge durchführen und anschließend die Mitglieder der Organisationseinheiten informieren, die zum Ausgleich selbständig die Öffentlichkeitsarbeit („Bekennerschreiben“, „Solidaritätsdemos“ usw.) durchführen dürfen. So haben wir eine Reihe von fiktiven Anschlägen auf Militärstützpunkte, Abgeordnetenbüros und Einrichtungen des Bundesnachrichtendienstes inszeniert, die in Wahrheit nie stattgefunden haben oder mit geringem Aufwand (z.B. Zerstörung einer Schaufensterscheibe) durchgeführt werden konnten. Dabei haben die angeblichen Opfer linksradikaler Anschläge mit uns kooperiert und entsprechende Pressemitteilungen herausgegeben.
Wir haben darüber hinaus über unsere Multiplikatoren neue Themen gesetzt, um linksradikales Aktionspotential zu binden und umzuleiten. Solche Themen sind zum Beispiel Transgender, Integration von Flüchtlingen oder sozialer Wandel in einzelnen Stadtteilen („Gentrifizierung“). Im Gegensatz zur öffentlichen Darstellung sind die linken Kräfte also weit von einem Erfolg entfernt und nahezu vollständig unter Kontrolle.
Durch die Steuerung der Aktionen durch unsere Multiplikatoren tragen wir außerdem zur Förderung der Automobilindustrie, des Handwerks und zur Sicherung bzw. Ausweitung des Budgets des Bundesnachrichtendienstes bei. Die Zerstörung von Fahrzeugen, die zum Fuhrpark staatlicher Einrichtungen gehören, führt zu einem Umsatzzuwachs der Automobilindustrie aufgrund der Notwendigkeit einer Neubeschaffung von Fahrzeugen. Anschläge auf die öffentlichen Verkehrssysteme fördern den Individualverkehr und damit die Automobilindustrie. Sachbeschädigung fördert das Handwerk und damit den Mittelstand. Die öffentliche Darstellung von Angriffen der Linksradikalen durch die Medien fördert die Legitimation des Bundesnachrichtendienstes und ist darüber hinaus geeignet, Forderungen nach einer Erhöhung der Mittel durch das Bundesinnenministerium inhaltlich zu begründen.
Die personale Konkurrenz unserer Multiplikatoren in den Organisationseinheiten kann jederzeit durch Polizeiaktionen eliminiert werden, da unsere Multiplikatoren über Personaldaten zu den einzelnen Mitgliedern und belastendes Material verfügen. So bleiben Führungspositionen zuverlässig in unserer Hand. Gleichzeitig schaffen wir durch Verhaftungen „echter“ Linksradikaler Märtyrer in den Justizvollzugsanstalten, so dass sich die linke Szene an Solidaritätsbekundungen abarbeiten kann. Wir sind im Übrigen jederzeit in der Lage, durch eine Serie von fiktiven, d.h. inszenierten Polizistenmorden das gesamte Spektrum linksradikaler Aktivitäten so zu belasten, dass ihm sämtliche öffentliche Sympathie und Unterstützung entzogen werden kann.
Wir bitten um die weitere Finanzierung unserer Operation und die Ausweitung der Mittel für Agitation und Propaganda, um linksextremen bzw. linksradikalen Nachwuchs frühzeitig an unsere Organisationseinheiten zu binden und weitere Schwerpunkte in der Bundesrepublik bilden zu können.
MfG
… (geschwärzt)
The Untouchables – I Spy. https://www.youtube.com/watch?v=QHItHKfzW7A

Donnerstag, 8. Dezember 2016

„Ich bin dein Vater, Andy“ (Episode 93)

„Kaum jemand außer der eigenen Mutter hat sein Erscheinen auf der Welt bemerkt, sehr wenige bemerken ihn im Laufe seines Lebens, aber sicherlich niemand wird bemerken, wie er aus der Welt verschwindet; niemand wird fragen, niemand ihn bedauern, niemand sich freuen über seinen Tod.“ (Iwan Gontscharow: Oblomow)
Die Amerikaner hätten auch Ozzy Osbourne oder eine alte Sportsocke zum Präsidenten wählen können. Unsere transatlantischen Leitmedien wären ihnen genauso ins Gesäß gekrochen wie derzeit Donald Trump – den sie bis zur Sekunde der Wahlentscheidung mit aller populistischen Brachialgewalt bekämpft haben.
Rückfahrt. Der komplette Wagen im ICE, in dem ich einen Platz reserviert habe, ist gesperrt, weil die Klimaanlage defekt ist. Es ist eiskalt, die Sitze sind mit einem roten Band abgesperrt, als wäre es der Tatort eines Verbrechens. Das erinnert mich an eine Bahnfahrt im letzten August, als die Klimaanlage ausgefallen war. Die Hitze im vollbesetzten Wagen war mörderisch. Die Deutsche Bahn gibt sich wirklich alle Mühe, der Satire über ihren Service gerecht zu werden.
Schweppenhausen. Ritardando rustico bis Ende Februar. Dann Dinkelsbühl und Nördlingen.
Hätten Sie’s gewusst? Es kostet dreihundert Euro, wenn man in ein Berliner Taxi kotzt. Falls es Ihrer vierzehnjährigen Tochter passiert, die gerade von einer Party kommt, und Sie das Auto anschließend selbst sauber machen, kostet es nur hundert Euro.
In Deutschland muss man für Essen und Trinken nicht bezahlen. Man muss für seine Klamotten und die Wohnung nichts bezahlen. Es sei denn, man ist Deutscher. Dann muss man für alles bezahlen. Aber die Fremden bekommen alles geschenkt. Deswegen kommen auch so viele. So denkt eine AfD-Wählerin, deren Gespräch mit der Friseurin ich mir anhören musste, während ich auf meinen 12mm-Navy Seals-Maschinenschnitt gewartet habe. Das ist nicht einfach nur Rassismus. Aus dieser Argumentation tropft das Gift des kapitalistischen Denkens. Es geht nur noch um Geld. Wer zahlt was? Wieviel bekomme ich? In dieser Welt hat Solidarität keine Chance.
Nicht weit von meiner Berliner Wohnung entfernt, in der Trautenaustraße 10 (in unmittelbarer Nachbarschaft zu George Grosz), lebte der jüdische Architekt Leo Nachtlicht. Er baute im Stil der Neuen Sachlichkeit den Gourmenia-Palast an der Gedächtniskirche. An dieser Stelle wurde nach dem Krieg das Bikini-Haus gebaut. Hier war in der Weimarer Republik die Hölle los. Das dreistöckige Restaurant zahlte täglich 1870 Reichsmark Miete und 975 Reichsmark Steuern. Täglich. Damals verdiente ein Arbeiter noch weniger als eine Mark pro Stunde (sagt mein Opa).
Weitere Hot Spots in Berlin waren die „Neue Welt“ an der Hasenheide, damals der größte Rummelplatz Europas, der Lunapark in Halensee und die Krolloper im Tiergarten (ab 1933 tagten hier die Nazis; 1934 gab es hier die erste öffentliche Fernsehübertragung in Deutschland; in diesem Gebäude wurde der Überfall auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs verkündet).
Um die Ecke ist die Rankestraße. Leopold von Ranke war Historiker. Von ihm stammt der Satz: „Das Bemerkenswerte an der Weltgeschichte ist, dass niemand aus ihr lernt.“
„Basket of deplorables“ – so nannte Hillary Clinton den erbärmlichen und bedauernswerten Pöbel, der Trump zum US-Präsident gewählt hat. Möglicherweise wird Verachtung und Hochnäsigkeit als politische Strategie nicht mehr ausreichend sein, um die nächsten Wahlen im Sinne des Establishments zu gestalten.
Hätten Sie’s gewusst? Metropolis liegt in Illinois. Dort gibt es eine fünf Meter hohe Superman-Statue auf dem Superman Square. Amerika …
Schmecken grüne Gummibärchen eigentlich anders als rote? Wäre Clinton besser als Trump für die arme Hälfte der Gesellschaft gewesen? Was unterscheidet Merkel und Gabriel bei den nächsten Wahlen? Etwa so viel wie Coke Zero und Coke Light.
Klaus Nomi - Total Eclipse. https://www.youtube.com/watch?v=HmLk2vSXXtk

Kriegsverbrecher

Ich lese immer wieder, die Kriegsverbrechen sollten öffentlich angeprangert werden. So als wüssten wir nicht, dass im Krieg Verbrechen begangen würden und dass der Krieg an sich ein Verbrechen ist. Es gibt keinen Krieg ohne Verbrechen. Wir sprechen ja nicht vom Duell zweier Edelmänner in einem englischen Park im Morgengrauen. Alle Kriegsparteien sind Verbrecher und Mörder. Soldaten sind Mörder, ihre Generäle sind Mörder und die Regierungen, die den Krieg angezettelt haben, bestehen aus Mördern. Assad ist ein Mörder, Putin ist ein Mörder, Obama ist ein Mörder, Merkel und Frau von der Leyen sind Mörderinnen. Das ist doch selbstverständlich, da brauche ich keine öffentliche Debatte.
Grauzone - Hinter den Bergen. https://www.youtube.com/watch?v=utnOpMCIZfU